Nachdem die Geschäftsführerin eines Verbandes als Autorindas Lehrbuch „Naildesigner in Perfektion“ inzwischen in 3. Auflage publiziert, soll dieses Werk auf der vorliegenden Website einer Kritik unterzogen werden. Es wird sich zeigen, dass dieses Buch zahlreiche Fehler aufweist, was medizinische und produktchemische Aussagen anbelangt.
Grundlage des Ausbildungskonzepts für die standardisierte Ausbildung gemäß Empfehlung Bundesverband Deutscher Naildesigner - BDND - das Lehrbuch:
Betreff:
Im Vorwort wird von der Autorin die Literatur bezüglich der HWK Prüfungen irreführend beworben. Zu keinem Zeitpunkt entsprach folgende Aussage im Allgemeinen der Wahrheit:
„…..musste ein Werk erstellt werden, welches als Leitfaden für die Dozenten und Prüfer dient und von diesen anerkannt ist.“
Als Mediziner und Fachdozent/HWK distanziere ich mich sowie mehrere andere Dozenten und Prüfer/HWK diverser Kammern von dieser fehlerhaften Literatur.
An einzelnen Stellen ermuntert die Autorin ihre Leser auch zur Vornahme von Behandlungen, bei denen der Naildesigner möglicherweise gegen das Heilpraktikergesetz bzw. Medizinrecht verstoßen könnte, sofern er nicht ausnahmsweise z.B. über eine Heilpraktikererlaubnis oder die ärztliche Approbation verfügt.
Gemäß fachjuristischer Auskunft: „……könnte solch ein Verstoß auch einen Straftatbestand darstellen und mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden.
Zivilrechtliche Sanktionen wie Schadensersatz und Schmerzensgeldansprüche wären ebenfalls ein denkbares Szenario für diejenigen, die sich zu solchen zweifelhaften Behandlungsmethoden hinreisen lassen würden.“
Vertreter medizinischer und chemischer Fachberufe haben sich zu dieser Literatur wie folgt geäußert:
Bei der Lektüre könnte man beinahe den Eindruck gewinnen, als ob die Autorin ihr Buch aus Bruchstücken anderer Internet- und Offlinepublikationen zusammengesetzt und dabei richtige Passagen übernommen hätte, die dann jedoch in unzutreffendem Zusammenhang sinnentstellend wiedergegeben würden.
Eklatante sachliche Fehler und Falschaussagen prägen dieses Buch.
Stellungnahme speziell zum Kapitel Medizin/Gesundheit:
Dr. med. U.W.B. , Brackenheim:
...........Gewisse Passagen werden richtig übernommen und dann Sinn entstellend
wiedergegeben. Krankheitsbilder werden falsch interpretiert, dargestellt und
beurteilt. Um nur ein Mosaiksteinchen aus diesem medizinischen Panoptikum zu
nennen: mehrfach wird eine harmlose Nagelanomalie einer krankhaften
Nagelveränderung gleichgesetzt, welche differentialdiagnostisch auf schwere
innere Erkrankungen hinweist und im Zusammenhang mit diesen auftritt. Die
Nomenklatur ist mangelhaft. Auf die vielen Rechtschreib- und grammatikalischen
Fehler möchte ich nicht weiter eingehen………….
Dr. med. D.B., Heilbronn:
………. dass dieses Buch im medizinischen Bereich gravierende Mängel und Widersprüche
aufweist. Nebenbei möchte ich doch auch noch die vielen Rechtschreibfehler und
die mangelhafte Semantik erwähnen….Die Autorin hat anscheinend nicht
verstanden welchen medizinischen Sachverhalt sie beschreibt, Definitionen
werden irreführend dargelegt und Krankheitsbilder fehlerhaft beschrieben. Auf
diese Weise werden falsche Lehrinhalte vermittelt ………Wenn das die Basis der
theoretischen Ausbildung ist spricht das nicht für Qualität………..
Dr. med. D.B., Heilbronn
………möchte ich darauf aufmerksam machen, dass die in o. g. Buch vorgestellten
medizinische Sachverhalte als standardisierte Grundlage für das Wissen bei der
Abschlussprüfung einer kritischen fachlichen Kontrolle nicht standhalten können. Die
medizinischen Sachverhalte und Definitionen von Krankheitsbildern sind häufig
fehlerhaft und widersprüchlich und damit falsch dargestellt. Frau M. benutzt
Passagen, die sie irgendwo richtig abgeschrieben hat und setzt sie in einem
falschen Zusammenhang in den Text, es ist schlicht ein großes Durcheinander
von Definitionen, Deskriptionen, Ätiologie und Pathogenese der medizinischen
Sachverhalte. Auf einzelne Details einzugehen würde zu weit führen, da es einfach
zu viele sind………
Stellungnahme speziell zum Kapitel Produktchemie:
Dr. Diplom Chemiker V.J., Güglingen:
.............Broschüre „Naildesigner in Perfektion“ …….habe ich hinsichtlich des Kapitels
Produktchemie überprüft……….
………..Die Aussagen der Autorin zur Chemie sind zum Teil gelinde gesagt, schon sehr
mutig.
………..es scheint der Unterschied zwischen Katalysator und Initiator nicht bekannt.
……….die Begründung „Arzneimittel“ liegt sehr daneben.
………..wird die chemische Vernetzung unzutreffend dargestellt und mit der
physikalischen Netzwerkbildung verwechselt.
………..werden Hilfsmittel wie Weichmacher völlig unzutreffend geschildert. Den
Weichmacher eines Polymers/Kunststoffs mit dem „Weichmachen“ also Enthärten
von Wasser sowie „Entkalkern“ in Waschmitteln gleichzusetzen, zeigt eine völlige
Unkenntnis der chemischen Sachverhalte.
……… Über die Gesundheitsschädlichkeit mit Wahrheitsanspruch von
Pulver/Flüssigkeitsnägeln oder Gelsystemen entscheidet nun mal keine Autorin
eines Buches sondern eine toxikologische Bewertung der Inhaltsstoffe des
jeweiligen Produktes.
……….. bei den „Dehydratoren“ wird nur von Isopropyl gesprochen. Wenn schon dann
heißt das Isopropanol, Isopropylalkohol oder 2-Propanol.
……….werden linearen Polymeren ein niederes Molekulargewicht zugeschrieben,
allerdings ist das unzutreffend.
……….die chemischen Ungereimtheiten setzen sich bei den Klebern fort.
……….zum Härtevorgang…..mit diesen Eigenheiten der Chemie dürfte die Autorin nicht
vertraut sein.
………..Es drängt sich auf, dass die dahinter stehende Chemie nicht erkannt wurde.
………..Ebenso wurde die Kosmetikverordnung nicht voll erkannt.
………..Einen guten Teil der Aussagen oder verwendeten Ansichten zur Produktchemie
halte ich aus fachlicher Sicht für völlig unhaltbar.
Bereits schon im Herbst 2007 wurde die Autorin sowie drei Handwerkskammern, die diese Lektüre zur Vorbereitung für die Prüfung/HWK empfohlen bzw. als Unterrichtgrundlage eingesetzt haben über die Missstände des vermeintlichen Lehrbuches informiert.
Darauf folgend wurde auch der BDND seitens einer HWK aus Nordrhein-Westfalen über die vom Verband empfohlene mangelhafte Literatur informiert.
Zitat - Schreiben der HWK, Herbst 2007 betreffend Info BDND:
…….„Wir haben zudem den Bundesverband Deutscher Naildesigner (BDND) angeschrieben und ihn auf die gravierenden Mängel in dem vermeintlichen Lehrbuch hingewiesen.
gez. Hauptgeschäftsführer
Zitat - Schreiben der HWK, Sommer 2008 betreffend Info BDND:
………„Als uns dann aber von dritter Seite nachgewiesen wurde, das der „Naildesigner in Perfektion“ insbesondere in den medizinischen Abwandlungen erhebliche Defizite aufwies, haben wir sofort Abstand von diesem Werk genommen. Insofern stimmen wir Ihrer kritischen Haltung gegenüber dem sog. Lehrbuch zu. Wir haben im Übrigen inzwischen dem BDND eine Mängelliste zukommen lassen und ihm geraten, das Buch gründlich zu überarbeiten.
gez. Hauptgeschäftsführer
Statt die Konsequenzen aus diesen Informationen zu ziehen und zu handeln wurde das Werk von der Autorin sowie einigen Firmen noch im August 2008 unbeeindruckt weiter vermarktet, daneben wurden weiterhin Vorbereitungskurse zur HWK Prüfung auf der Basis des beanstandeten Lehrbuches von ihnen angeboten.
Ein HWK Zertifikat um jeden Preis?
Ich halte es als Mediziner für meine Pflicht Naildesigner, Ausbilder und Firmen auf diesen Missstand hinzuweisen, um sie vor den möglichen Folgen strafrechtlicher Konsequenzen und zivilrechtlicher Sanktionen sowie der Vermittlung von falschen Lehrinhalten zu bewahren.
Dr. med. Ulrich Brander